Hamburg Marathon - Markus berichtet
Mein Hamburg Marathon am 22.5.11
Dieses Frühjahr stand bei mir der Hamburg-Marathon nach 2006 und 2009 zum dritten Mal auf dem Programm. Ich laufe sehr gerne in Hamburg, weil ich die Stadt und die Strecke besonders mag. Der HH-M ist ein richtig großer Marathon, auch wenn die Teilnehmerzahlen dieses Jahr stark rückläufig sind. Dass nur noch rund 12000 Teilnehmer dabei sind, merkt man natürlich als Teilnehmer: es ist nirgends mehr voll, weder bei der Startnummernausgabe noch in der U-Bahn oder vor den Toiletten. In den Startblock kann man 5 min vor dem Start gemütlich reingehen. Auf der Strecke läuft man zwar nicht alleine, aber doch schon bald im lockeren Feld.
Meine Schwägerin wohnt in Eppendorf, das ist günstig für die Übernachtung. Schon der Samstag war ein schöner Tag. Abends gab es Nudeln, man konnte beim Italiener draußen sitzen, es war ein sehr schöner Abend. Ich hatte aber die Hoffnung auf eine kühle Nacht und dass es am nächsten Tag regnerisch wird…Regen war jedenfalls für Sonntag angesagt. Daher der erste Blick nach dem Aufwachen aus dem Fenster…strahlende Sonne… so ein Mist! Um 7 Uhr Sonnencreme aufgetragen und dann los. Ich war zu früh da und saß eine Weile rum. Es war ein sehr schöner Morgen.
Der Start war sehr stimmungsvoll und die ersten Kilometer über die Reeperbahn, durch Altona und die Elbchaussee entlang lief es sich gut. Wer mich kennt, weiß, dass ich natürlich auf Zeit laufe. Ich war sehr gut vorbereitet auf diesen Lauf und somit an sich in sehr guter Form. Ich bin leider unfähig, kurzfristig ein den Bedingungen angepasstes Tempo zu wählen. Also bin ich zu Anfang den üblichen 5er Schnitt gelaufen. Das Blöde ist ja halt, dass dieses Tempo am Anfang so wunderbar locker geht. Man hat schon das Gefühl, defensiv zu laufen, wenn man nur 50 und nicht 48 min auf 10 km angeht. Nach Km 10 am Hafen erhöhte ich sogar das Tempo. Am Hafen entlang lief es richtig gut für mich. An den Landungsbrücken war zum ersten Mal gute Stimmung am Straßenrand. Im Tunnel unter dem Bahnhof stand die Luft, da fing ich sehr stark an zu schwitzen. Als es an der Alster entlang ging, wurde es immer wärmer und schwüler und man spürte, dass die Kräfte schwinden. Es war klar, das sind keine guten Bedingungen mehr und ein Bestzeitenversuch macht heute keinen Sinn. Wenigstens bis zum Halbmarathon wollte ich noch konstant im 5er-Schnitt laufen und das klappte auch. Die Halbmarathonmarke erreichte ich in 1:45 Stunden.
Ich traf Sabine an der Saarlandstraße, wo es immer so sehr voll ist, da hier eine U-Bahn-Station ist. Danach ging es weiter. Ich lief jetzt im lockeren Tempo und stellte mir vor, dieses bis zum Schluss so durchzuhalten. An den Getränkestationen ließ ich mir Zeit und ich amüsierte mich über die Brunch-Picknicktische am Straßenrand, wo ganze Familien sich einen schönen Sonntagvormittag machten. Man sah auch einige Leute, die sich mit Campingstühlen an den Straßenrand setzten und sich die Läufer ansahen.
Ein Stimmungshöhepunkt ist am Bahnhof Ohlsdorf, dort ging richtig die Post ab. Ein großes Manko in Hamburg ist aber, dass danach, also zwischen Km 32 und 36, bevor man nach Eppendorf kommt, nichts mehr los ist. Der Himmel zog sich jetzt zu und es wurde eher noch schwüler: sprichwörtlich tödlich für jeden Marathonläufer. Viele kämpften, gingen, stiegen aus und einige lagen sogar am Straßenrand, weil der Kreislauf kollabierte. Man musste so viel trinken wie es ging, trotzdem spürte ich den Substanzverlust. Man kann nicht mehr schwitzen, dass Trinken bringt dann auch nichts mehr und es beginnt die Quälerei. Auch das kennt man als Marathonläufer natürlich, es kommt nicht unerwartet. Bei den Gehpausen spürte ich, dass mir schwindlig wird. Ich konnte nur langsam weitertrotten und achtgeben, dass man den Lauf nun nur nicht noch im Krankenzelt beendet. Die Zeit war mir jetzt egal, ich wollte nur noch heil ankommen.
Am Klosterstern war wirklich super Stimmung. Für die Läufer, die noch richtig unterwegs sind, ist das sicherlich sehr schön, aber für mich war es eigentlich nur noch stressig. Die Leute versuchten wirklich, dir Beine zu machen, aber das ging nicht mehr, ich schleppte mich nur noch voran. Sabine traf ich hier auch nochmal. Auch sie erschrickt nicht mehr bei meinem Anblick, das ist sie wohl doch schon gewohnt.
Irgendwann geht auch die längste Qual mal zu Ende und man erreicht die Zielgerade. Auf den letzten zwei Kilometern hatte es mich völlig zerbröselt. Ich bin kaum noch vorangekommen. Aber die Glacierchausse an der Messe hin zum Ziel bin ich durchgelaufen, ohne umzukippen, aber Spaß machte mir das nicht mehr. Es war nur noch eine Erlösung, endlich im Ziel zu sein. Ich war völlig fertig. Meine Zeit lag bei 4:03 Stunden, d.h. die zweite Hälfte bin ich in 2:18 gelaufen. Da ist jeder langsame Trainingslauf schneller.
Im Nachzielbereich freute man sich auch wieder, dass es nicht so fürchterlich voll überall ist. Ich ergatterte einen Sitzplatz auf der Bank und ruhte mich zehn Minuten lang aus. Nach dem Duschen ging es mir dann wieder besser. Mit Sabine fuhren wir noch Freunde besuchen. Auf der Heimreise nach Berlin goss es die ganze Zeit wie aus Kübeln.
Das waren mal wieder denkbar schlechte Laufbedingungen heute! Dass es so heftig werden würde, damit hatte ich auch am Vortag nicht gerechnet, das war schon Pech. Freuen kann man sich hinterher über die Zeit nicht, aber es ist wieder ein gefinishter Marathon mehr, insgesamt mein elfter. Man muss das positiv sehen und Stolz sein, dass man sich mal wieder durchgekämpft hat.
Danke an alle Anfeuerer und Unterstützer. Die Stimmung war mal wieder super in Hamburg.
Liebe Grüße
Markus